Franz Kafka:
Auch über den Tod hinaus finde ich keine Ruhe. Als mein Kadaver von Insekten übersät war, kamen die Ratten dazu und ernährten sich von dem, was früher mein Körper war. Einige Knochen blieben noch übrig und alle Tieren, die meine Gewebe frassen, starben sofort, neben mir. Sie und ich haben uns mit der Erde gemischt. So kam, dass ich als Löwenzahn auf dem Asphalt heraus blühen konnte, genau vor dem Haus, wo meine Familie wohnte. Ich habe die LKW´s gesehen, die meine Schwestern abgeholt haben. Ich habe Angst, Furcht und Trauer in deren Augen spüren können. Ich wollte rufen, "Ihr kommt in die Fabrik, so lautet das Urteil", aber im gleichen Moment wurde ich von Reifen der LKW's überrollt. Ich lebte noch, als der Strassenfeger kam, mich aus der Strasse heraus riss und so starb mein Leben ein zweites Mal. Ich habe keine weitere Umwandlung geschafft, ich bin zu beschäftigt, dem Rauch meiner Schwestern nach zu spüren. Das Universum hat es verschluckt. Andere meiner Zeigenossen haben es geschafft, als Bäume zu grassieren. Max Brod konnte jahrelang, als Kirchbaum, Dörfer mit Marmelade erfreuen. Das Feld wurde abgeholzt, es folgte eine Autobahn .
Keppler :
Warum erzählst du mir den Tod, ich kenne ihn, ich lebe auch, nicht mehr
Kafka :
Wer in der Masse nicht schmilzt, erlebt als Inviduum wahrhaftig seine Verwesung. Deine Leiche kann aber (noch) reden.
Keppler
Wer als Jude Deutschland heute nah sah, weiss ja, wie die Henker hinterm Schreibtisch, in klimatisierten Büros, den Untergang bereiten. A propos Deutschland, hast du seinen heiligen Jesus getroffen ?
Kafka :
Heiliger Bimbam, könnte ich bloss noch schreiben, ich würde es niederlegen. Er klagt, er hieß früher Joshua Ben Joseph und war von Beruf Rabbi. Mit seinem Cousin Pinhas, (in deutsch, Pinkas), hat er sich zertritten. Unter dem Pseudo Petrus, baute Pinkas eine Fabrik, ernannte ungefragt Joshua als Präsident und Markenzeichen. Pinkas wollte leben wie ein König. Er sammelte Geld, Reichtum, insbesondere Frauen, denen er das ewige Leben versprach. Keine der Frauen hat es überlebt. Er erhob sich zum Papst. Er war gierig, sehr geizig und hinterlies seiner Familie viel Gold. Sie kaufte damit halb Europa. Dann starb er blind, zahnlos, mit einer Glatze und das Produkt der Fabrik, Blut und Hass, hat wie du siehst, überlebt. Joshua betet seitdem täglich, es möge endlich der Messias kommen und seine Ehre als Rabbi wieder herstellen. Er irrt unter der Erde, von Land zu Land, aber unter Deutschland, nein da irrt er nie. Joshua hatte 10 Kinder. Zwei seiner Nachkommen waren Schuster in Gießen, sie und deren zwei Säuglinge starben in Bergen-Belsen.
Keppler :Wozu irrt er hin und her, wäre es nicht besser, er ruht in Israel ?
Kafka :
Solange Juden in Europa verweilen, will er als Rabbi, in deren Nähe bleiben und beten. Hinter dem Schloss, sagt er, werden sie wieder hergestellt, die Totenfabriken. Er will verkünden, es gibt gar keinen Christ, er sei beschnitten, Rabbi, Zionist, er ehrt nur Elohim, das Judentum und sein Land, Israel.
Keppler :
Wenn ich dies verstehe, gibt es gar keinen Gott für nichts und niemand ?
Kafka :
Was der Mensch sagt, das sagt Gott, was der Mensch tut, das tut Gott. Was wir Toten sagen können ist, dass so ein Gott ja niemals zuhört, aber töten, das kann er, immer.
(C)- N.Keppler-14.03.2004